Success Stories - Signalmanagement in Echtzeit
Erfolgsgeschichten
Livestreaming im Stadion

Allianz-Stadion Wien

One-to-many-Signalmanagement in Echtzeit

Das Projekt: AV-INSTALLATION FÜR LIVE STREAMING IN DEN BUSINESSZONEN

Seit rund einem Jahr ist das neu eröffnete Allianz-Stadion in Wien die neue Heimat von Rapid Wien. Es ist das zweitgrößte Stadion der Liga und auch für internationale Wettbewerbe vorgesehen. Das architektonisch auffälligste Wahrzeichen des Neubaus ist das aufgrund seiner Form als „Röhre“ bezeichnete Hauptgebäude. Wie eine überdimensionierte Bassröhre liegt der zylinderförmige Bau hinter der Haupttribüne und beherbergt neben einem Museum des Rapid Wien auch zwei großzügige Hospitality-Bereiche für bis zu 2000 Personen. Diese zwei Hospitality-Bereiche können in fünf separate Flächen unterteilt werden, hinzu kommen nochmals 41 VIP-Logen. Geplant ist daher, diese Eventflächen auch abseits des Spiels für Präsentationen, Konferenzen, Roadshows und Seminare zu nutzen. Die Einrichtung ausladender multifunktionaler Business-Areas war eher einer der Gründe für den Neubau des Stadions. Interessenten an Event-Flächen sind nicht nur Fußballfans.

Vielmehr bietet die Kulisse eines Fußballstadions oder besser noch eines Fußballspiels ein Erlebnis, das idealerweise auch auf die Veranstaltung abfärbt und diese dadurch aufwertet. Die VIP-Logen werden als Orte genutzt, an denen Geschäfte abgeschlossen werden. Es geht also sowohl bei den Business-Zonen als auch bei den VIP-Logen darum, den Spagat zwischen abgeschiedener Atmosphäre einerseits und dem direkten Erleben des Geschehens im Stadion andererseits zu bewerkstelligen. Das technische Mittel der Wahl um dies zu realisieren sind zahlreiche Monitore und Großbildschirme und eine perfekte Audiotechnik. In den Business-Zonen sind geladene Gäste dann zwar unter sich, können sich aber der guten Stimmung im Stadion quasi gar nicht mehr entziehen.

Um dies zu realisieren wurde die Firma Habegger beauftragt - ein Dienstleister, der vom Raumdesign über die Installation bis zur Veranstaltungsbetreuung das Thema Digital Signage vollständig abdeckt. Manuel Khittl heißt bei Habegger der zentrale Mann, der mit sechs Kollegen jedes Spiel des SK Rapid betreut. Abgesehen von Bandenwerbung, Lichtsteuerung, Akustik und der Anzeige im Stadion, sind die unzähligen Displays, Videowalls und Konferenzlösungen in den Business-Bereichen und den VIP-Logen jedoch der aus AV-Sicht größere Aufwand.

Live Streaming in unterschiedlichen Bereichen im Allianz-Stadion

Das Anforderungsprofil: AV-SIGNALE IN ECHTZEIT AUF 81 DISPLAYS ÜBER NETZWERK ÜBERTRAGEN

Zur AV-Installation in den Businesszonen gehören in Ebene 1 (der größeren Zone mit 1800 m² Fläche) neben 34 Bildschirmen auch eine mobile Großbildleinwand, die aus 9 Einzelbildschirmen besteht. Ebene 2 (die untere kleinere mit 1000m²) besitzt ebenfalls analog zur obere Ebene 34 Monitore und zusätzlich acht Bildschirme im Medienzentrum. Weitere drei Bildschirme und ein Beamer befinden sich in der dritten Etage in der sogenannten Rekordmeisterbar. Insgesamt also 81 Stellen, an denen das Spielgeschehen live mitverfolgt werden soll. Die zahlreichen Monitore in den VIP-Logen und im Stadion sind hier noch gar nicht mitgezählt.

Um dies zu realisieren, wurde zunächst ein aufwendiges IP-TV-System installiert, welches IP-basiert jeden der 81 Ausgabepunkte ansteuerte. Dies funktionierte technisch zuverlässig, hatte jedoch den Nachteil, dass die unvermeidliche Latenz einer IP-basierten Lösung nicht zum Konzept des direkten Erlebens passte. Man fühlt sich nunmal nicht live im Geschehen, wenn der Jubel im Stadion bereits ausbricht, man aber anhand des Bildes noch nicht weiß, warum. Die neue Lösung hatte also zwei Anforderungen zu erfüllen. Zum einen musste sie ohne Latenz die Bilder aus dem Stadion in Echtzeit auf die Bildschirme übertragen, zum anderen sollten die bereits überall verlegten Cat-Netzwerkkabel weitergenutzt werden, da eine Neuverlegung aller Kabelwege einen unverhältnismäßig hohen kostentechnischen wie baulichen Aufwand nach sich gezogen hätte. Die Firma Habegger entschied sich als Lösung für eine 16 x 16 Video-Matrix von Lindy, kombiniert mit Signal-Extendern, die HDMI-Signale in Echtzeit über das Netzwerk übertragen.

Manuel Khittl, Projektverantwortlicher bei Habegger, kommentiert die Entscheidung wie folgt: „Mit Lindy hatten wir in der Vergangenheit schon öfters gute Erfahrungen gesammelt. Allerdings ging es dabei vorrangig um Kabel, Adapter und vergleichsweise kleine Komponenten. Lindy hatte damals noch keine großen AV-Matrizen im Sortiment. Für das Allianz-Stadion in Wien haben wir bei Habegger daher das erste Mal auf eine AV-Matrix aus dem Hause Lindy gesetzt. Wir hatten mit dieser Hardware also vorher noch keine Erfahrungswerte. Für uns war es eine Entscheidung mit einem erheblichen Vertrauensvorschuss, der sich im Nachhinein besehen, bezahlt gemacht hat.“

Manuel Khittl (Habegger) und Matthias Starke (Lindy)
Manuel Khittl (Habegger) und Matthias Starke (Lindy)
„Für das Allianz-Stadion in Wien haben wir bei Habegger daher das erste Mal auf eine AV-Matrix aus dem Hause Lindy gesetzt.“

Die Lösung: ZENTRALE STEUERUNG MIT DER MODULAREN 16X16 MATRIX

Die AV-Matrix funktioniert wie ein großes Alles-auf-Alles-Videoschaltpult. Es können bis zu 16 Signaleingänge auf bis zu 16 Signalausgänge frei geschaltet werden. Dabei können Ein- und Ausgänge verschiedene Formate haben. Die AV-Matrix konvertiert die Signale verlustfrei in Echtzeit und gibt jeden beliebigen Eingang auf jeden beliebigen Ausgang aus. Für Signaleingang und Signalausgang werden jeweils zwei Module mit je 8 Anschlüssen verbaut. Machbar wäre also ein 8-fach HDBaseT-Modul und ein 8-fach DVI-Modul als Signaleingänge auf zwei 8-fach HDMI-Module als Signalausgang zu schalten. Da die Module Hot-Swap-fähig sind, können sie sogar im laufenden Betrieb ausgetauscht und gegen ein anderes Modul gewechselt werden. Ebenso sind zwei redundante Netzteile verbaut, so dass auch diese im laufenden Betrieb gewechselt werden können. Für die Installation im Allianz-Stadion wurden nur HDMI-Module verbaut. Im Ergebnis steht eine 16 x 16 HDMI-Matrix, die 4K-Signale in Echtzeit schalten kann. Gesteuert wird diese Matrix über RS232, Webinterface, Telnet oder klassisch über Fernbedienung.

LINDY 16x16 Matrix
Signalmanagement für VIP-Großraumebenen mit modularer 16x16 Matrix

Neben der AV-Matrix, die zur zentralen Signaldistribution genutzt wird, stellen aber die langen Signalstrecken die nächste Herausforderung  dar. Vorgabe war hier, die bestehende Netzwerkinfrastruktur zu nutzen, um Zusatzkosten und neuerlichen Bauaufwand zu vermeiden. Entschieden hat sich Habegger schließlich für HDMI over Ethernet Extender von Lindy. Diese Extender haben einen Transmitter, der an der Signalquelle das HDMI-Signal in ein netzwerkfähiges Format umwandelt, es dann über die Netzwerkkabel zum Receiver schickt, der seinerseits wieder ein HDMI-Signal ausgibt. Die meisten Extender setzen dabei auf separate Kabel, die nicht Bestandteil eines Netzwerks sind. Dies bietet Vorteile wie auch Nachteile. Vorteil ist sicher, dass volle 4K-Auflösungen unkomprimiert über lange Distanzen übertragen werden können und keine weitere Technik verbaut ist, die eine mögliche Störquelle darstellen könnte. Der Nachteil ist jedoch, dass immer nur 1:1-Lösungen realisiert werden können und die verwendeten Kabel für keinen weiteren Datenstrom außer der Signalübertragung genutzt werden können. Der verwendete HDMI over Ethernet-Extender von Lindy geht wie der Name vermuten lässt einen anderen Weg. Zwar wird auch hier vom Transmitter das HDMI-Signal auf  ein Cat.6-Netzwerkkabel ausgegeben, jedoch ist dieses Cat.6-Netzwerkkabel Teil eines klassischen Netzwerks. Das HDMI-Signal geht also seinen Weg durch ein klassisches IT-Netzwerk hin zum Receiver wo es wieder als HDMI-Signal ausgegeben wird. Selbst unterwegs verbaute Switches passiert das HDMI-Signal, sofern die Switches das Broadcast-Protokoll unterstützen. Die Notwendigkeit für diese Art Extender ergab sich aus der Infrastruktur des Gebäudes. Das bisherige IP-Netzwerk, welches ursprünglich auch für die Bildsignale genutzt wurde, sollte als Trägermedium zwar erhalten bleiben um eine Kabelneuinstallation zu vermeiden, jedoch durfte es nicht abgeschaltet werden, da auch andere Daten über das Netzwerk übertragen wurden. Mit dem HDMI over Ethernet-Extender von Lindy konnte das bestehende IP-Netzwerk genutzt werden, ohne dass man deswegen die Latenzen IP-basierter Übertragung in Kauf zu nehmen hatte.

Der Vorteil des Broadcast-Protokolls gegenüber IP-basierter Übertragung zeigt sich noch in einem weiteren Punkt. Während IP-basiert zwangsläufig eine 1:1-Übertragung erfordert, können im vom Lindy Extender genutzten Broadcast-Modus auch Signale 1:n ausgegeben werden. In der konkreten Installation vor Ort wird ein HDMI over Ethernet Transmitter direkt an die AV-Matrix angeschlossen und speist dort das Bildsignal ins Netzwerk ein. Nun können mehrere Bildschirme, alle mit einem HDMI over Ethernet Receiver ausgestattet, direkt mit einem Patchkabel angeschlossen werden und geben alle simultan das gleiche Bild aus, welches von diesem einen Transmitter eingespeist wurde. Im Gegensatz zu einer IP-basierten Lösung funktioniert HDMI over Ethernet trotz Komprimierung in Echtzeit. Aktuell werden zehn verschiedene Signale eingespeist und neun verschiedene Signale ausgegeben. Diese neun Signale werden über neun HDMI over Ethernet Transmitter an dann gut 80 HDMI over Ethernet Receiver über das Netzwerk geschickt.

Aufschlussreich war für die Firma Habegger ein Stromausfall, der unter anderem auch die komplette AV-Technik hat ausfallen lassen. Da die Digital-Signage-Installation nicht sicherheitsrelevant ist, gab es auch kein USV-Backup oder Notstrom. Da im Vorfeld die komplette Konfiguration der Hardware von Lindy vorgenommen worden ist, war es beruhigend zu sehen, dass auch im unkontrollierten Ernstfall nach Widerherstellung der Spannung alle AV-Komponenten ohne Fehler regulär den Betrieb wieder aufnahmen, ohne dass irgendwo Einstellungen nachjustiert werden mussten. Im Ergebnis hat das Allianz-Stadion von SK Rapid eine moderne zentral verwaltete AV-Installation mit Bildern in Echtzeitübertragung. Das System ist robust, einfach zu bedienen, skalierfähig und kann mit der vorhandenen Netzwerk-Infrastruktur genutzt werden. Für Habegger hat es sich auch im Nachhinein gesehen gelohnt, bei diesem Prestige-Projekt erstmals auf Lindy zu setzen.

Die installierten Geräte

- 1x Lindy Modulare AV Matrix 16x16
- 2x 8 Port HDMI 4K UHD Eingangsmodule
- 2x 8 Port HDMI 4K UHD Ausgangsmodule
- HDMI-Extender
- HDMI over Ethernet Extender & Distribution System
  (Zweierset aus Transmitter und Receiver)
- Extendermodule
- 80 HDMI over Ethernet Receiver
- 9 HDMI over Ethernet Transmitter
- Rackmount-Switches
- 81 x Displays